Vom Fußballgirl zum #Footballmaedchen.

Zum Ende des Jahres nutzte ich endlich mal die Chance eine schon viel zu lange vor mir hergeschobene Aufräumaktion zu starten. Ziel: Ankleidezimmer.

Ich sortierte also meine Klamotten irgendwie zwischen geliebt und ungeliebt und entdeckte ein ziemlich besonderes Stück. Ein Trikot. Rot. Unförmiger, übergroßer Schnitt. Mit weißer Zahlen-und Buchstabenbeflockung auf dem Rücken und schwarz-weiß-grüner S E C H S U N D N E U N Z I G auf der linken Brust und einer riesigen 29 auf der Rückseite. Ein Albtraum in rot-weißem Polyesterstoff. Und trotzdem war die erste Intention:
Im Leben schmeißte das Teil nicht weg.

Mit 13/14 fing alles an. Mitten in der krassesten Zeit der ersten Selbstfindung interessierte ich mich plötzlich für Fußball. Und auch damals war schon das ungeschriebene Gesetz: Support your local team. Früher aber eher noch aufgrund der gegebenen Infrastruktur und der Erreichbarkeit mit dem SchülerFerienTicket im Sommer, als einer persönlichen Grundhaltung. Und man könnte jetzt meinen, dass ich mir zu der Zeit als pubertierender Teenie irgendeinen hannoverschen David Beckham ausgeguckt habe. Das habe ich auch. Mein David Beckham war zunächst Jugendspieler im Verein, grundsolide, riesig und deshalb so sympathisch. Außerdem wohnte er in Pattensen. In der Kleinstadt, in der ich in den Ferien oft die Familie rund um meinen Patenonkel besucht habe. Da war ich leider noch ein Kind -nicht in der Pubertät- und war froh, wenn ich mit meinem Fahrrad unfallfrei geradeaus fahren konnte.

Portrait                                                                                                                                                 Kate Peters / DER SPIEGEL

Aber ab 2004 entwickelte ich mich zu einem richtigen Fangirl. Mit Groupiebesuchen am Trainingsgelände und peinlichen Gästebucheinträgen auf der offiziellen Homepage. Kein Mist. Wenn ich mir eins der Fanfotos angucke, fällt mir nichts mehr ein. Gar nichts. Aber jetzt kann ich drüber schmunzeln, wenn ich mich in knallenger MissSixty-Jeans, Glitzergürtel und fast bauchfreiem Top zu meinem kirschroten Kopf neben dem Riesenkerl sehe. Ich war halt noch auf der Suche. Und schwer verknallt in den #BFG – ich empfand den ruhigen, Schokolade-liebenden und Rosenkohl-hassenden 1,98m-Mann einfach als großartig. Damals konnte niemand den Hype nachvollziehen, den ich um ihn gemacht habe. Heute wahrscheinlich schon eher, wenn man sich die durchweg positiven Artikel über einen der fairsten Abwehrspieler der Welt durchliest.

Irgendwann wurde ich dann weniger Groupie und einfach nur ziiiemlich cool. Mein Block: Zunächst N4, dann N16. Und ich muss lachen, wenn ich an diese Zeit denke. Denn mein komplettes Taschengeld ging nicht nur für Heimspiele drauf, sondern auch für Auswärtsfahrten. I’m not joking. Die Gästeblöcke in Gelsenkirchen und Berlin wurden zu meinen Wochenendhighlights. Wenn ich jetzt drüber nachdenke, dann habe ich die Szenen teilweise ganz real vor Augen. Heute kann ich mir höchstens vorstellen ein Länderspiel der Nationalmannschaft gegen die USA zu sehen. Aber so ändern sich die Sichtweisen.

Was geblieben ist? Auch heute würde ich ohne zu zögern mit Per Mertesacker antworten, wenn ich nach meinem liebsten Sportler gefragt werden würde. Richtig gelesen. Es würde kein Name eines erfolgreichen Footballspielers fallen.

Wie ich dann irgendwann zum Mädchen mit dem Interesse an American Football wurde? Folgt. Ganz bald.

Und eines vorweg: Fangirl eines Einzelnen war ich nicht.

 

2 Gedanken zu “Vom Fußballgirl zum #Footballmaedchen.

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