Aha. Das soll also Authentizität sein!?

Es ist jetzt schon wieder 14 Tage her, dass der letzte Text veröffentlicht wurde. 22 Tage des Jahres 2018 sind angebrochen und ich kann jetzt schon wieder seitenweise Dramen niederschreiben, die bis dato passiert sind. In manchen Szenen spiele ich die Hauptrolle, in den übrigen eine winzige Nebenrolle. In einigen Passagen reden Zuschauer über mich, die mit mir persönlich allerdings noch kein einziges Wort gesprochen haben.
Das sind mir natürlich die Liebsten.
Es ist viel passiert. Und in Zeiten, in denen Kopf+Herz durchgängig damit beschäftigt sind zu (ver-)arbeiten, da fällt es mir schwer beiläufig Texte über tiefe, innere Motivation oder belanglos-witzige Erlebnisse zum Meckern zu schreiben.
Weil’s in den Momenten nebensächlich ist und sich nicht echt anfühlt.
Es gibt nämlich auch Personen in meinem Leben, die aktuell vielleicht nicht zugeben würden, dass sie sich hier auf dieser Seite aufhalten, aber genau das tun. Und das sind die Wichtigen, die wissen, was in meinem Leben gerade wirklich so abgeht.
Mit allen Höhen und Tiefen.
„Tamara, glaubst du wirklich, dass jeder youtuber immer gut drauf ist, wenn er ein Video produziert?“
Sure not.
Aber das sind auch genau diejenigen, die keine Skrupel davor haben, 13-Jährigen Mädchen Tee für 40EUR als das non-plus-ultra auf instagram oder youtube zu verkaufen. Obwohl der Brennnesseltee für 1,80EUR die gleiche Wirkung hätte.
Auf solche Leute habe ich sowieso wenig Bock.
Aber worauf will ich eigentlich hinaus?
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Wissenschaftlich gesehen ist es relativ easy eine Sache als „authentisch“ bezeichnen zu können. Da werden durch simple, chemische Tests vermutliche Goldmünzen auf Ihre Echtheit überprüft oder das antike Gemälde aufgrund der Schätzung eines Kunstsachverständigen als „echt“ eingestuft.
„Als authentisch gilt ein solcher Inhalt, wenn beide Aspekte der Wahrnehmung, unmittelbarer Schein und eigentliches Sein, in Übereinstimmung befunden werden. Die Scheidung des Authentischen vom vermeintlich Echten oder Gefälschten kann als spezifisch menschliche Form der Welt- und Selbsterkenntnis gelten.“ – das versteht zumindest der Autor des wikipedia-Artikels unter Authentizität.
Menschlich gesehen ist das aber schon wieder ’ne ganz andere Nummer. Da ist es richtig schwierig authentisch zu sein oder zu bleiben: Ist man es nämlich nicht und wird dabei „ertappt“, dann ist man sofort unsympathisch und unglaubwürdig.
Glaubt mir – das zieht sich durch. Da gibt’s Politiker, die laut Parteiprogramm das Benutzen des Fahrrads oder der öffentlichen Verkehrsmittel aufgrund des Umweltschutzgedankens und der Erhaltung der eigenen Gesundheit bewerben – und lassen sich dann aber selbst von der überdimensionierten Limousine der Luxusklasse durchs Land fahren. Oder Manager, die ihre MitarbeiterInnen durch ein Kostensenkungsprogramm schicken und Wasser predigen, aber die selbst bei ihren Zusammenkünften bei Wein bleiben.
Und da gibt’s mich und vielleicht auch dich. Diejenigen, die es ja eigentlich auch schlimm finden, dass Tiere für die Herstellung von Kosmetik in der Industrie gequält werden – aber letztendlich dann doch im Drogeriemarkt stehen und genau solche Produkte im Körbchen liegen haben. Weil sie im Angebot waren. Oder die Verpackung so schön war.
Viel schlimmer ist es aber, wenn du Menschen verletzt, weil du nicht authentisch gehandelt hast. Wenn du gegen deine eigenen Werte so verstößt, dass du selbst nicht mehr weißt warum du so gehandelt hast. Wenn dann die Selbsterkenntnis einsetzt, dann ist es oftmals gut und man befindet sich wieder auf dem richtigen Weg – manchmal ist es aber auch zu spät.
Letztendlich ist es aber ein absolut erstrebenswertes Ziel authentisch zu sein.
Ob das in der social-media-Welt erlaubt ist, ist natürlich die andere Frage. Auf der einen Seite schreien alle nach Authentizität und Echtheit, aber wenn du dann so handelst und in Momenten, in denen dir nicht nach zynischen Texten über Alltägliches ist und du deshalb nichts veröffentlichst… dann biste faul, dann verfolgst du deine Ziele nicht genug. Dann bist du falsch in dieser öffentlichen Welt. Denn da ballert man auch Content raus, wenn es einem persönlich nicht so gutgeht.
Ist das so? Ist dieses „echt-sein“ vielleicht auch nur ein Mittel oder eine weitere Methode, um in der eigenen Komfortzone bleiben zu können? Ein Deckmantel, um nicht mit dem Rad fahren, Wasser trinken oder die Wahrheit sagen zu müssen?
Hoffentlich rattert es jetzt in deinem Kopf genauso wie in meinem.
In diesem Sinn: Einen guten Start in die Woche!

2 Gedanken zu “Aha. Das soll also Authentizität sein!?

  1. Robert sagt:

    Guten Morgen Tamara,
    starke Gedanken, schweres Thema,
    Die Gesellschaft lässt in den meisten Fällen gar nicht zu, authentisch zu sein oder zu handeln, leider.

    Qua Vadis, wenn ich mir etwas wünschen dürfte, wäre „Authentizität “ ein Menschenrecht 🖖

    Gefällt 1 Person

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